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Ist Versöhnung möglich?
Meine Begegnung mit Vladimir Jankélévitch (Briefe, Besuche, Begegnungen, Betrachtungen)

Wiard Raveling

Ausführung: 174 Seiten
1. Auflage: 2014
ISBN: 978-3-7308-1095-8

EUR 19.90

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Vladimir Jankélévitch (1903-1085) gilt in Frankreich als sehr bedeutender Philosoph, in Deutschland ist er aber immer noch recht unbekannt. Er hatte als junger Mensch Deutsch gelernt, die deutsche Kultur (Musik, Philosophie, Dichtung) geliebt, über den deutschen Philosophen Schelling promoviert. Sein Vater, ein aus der Ukraine eingewanderter Jude, war der erste, der Freud ins Französische übersetzt hatte. Als Jude wurde Vladimir Jankélévitch während der deutschen Besatzung verfolgt. Als er dann nach dem Krieg vom ganzen gigantischen Ausmaß der Judenvernichtung erfuhr, vollzog er einen radikalen und endgültigen Bruch mit der deutschen (ja, der deutschsprachigen) Kultur. Er wollte nie wieder Deutsch sprechen oder lesen und nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzen. Er schrieb nie wieder etwas über einen deutschen Philosophen, Dichter oder Komponisten. Er war bis zum Ende seines Lebens unheilbar allergisch gegen alles Deutsche. Ja, es ist nicht übertrieben, wenn man hier von einem tiefen, unüberwindlichen und unversöhnlichen Hass spricht. Niemals wollte er „den Deutschen vergeben“. Am deutlichsten wird seine diesbezügliche Haltung in seinem Text „L’imprescriptible“ („Das Unverjährbare“, deutsche Übersetzung veröffentlicht im Suhrkamp-Band „Das Verzeihen, Essays zur Moral und Kulturphilosophie“).
Dann, im Jahre 1980, sagte er sinngemäß in der Rundfunksendung „Le Masque et la Plume“: „Die Deutschen haben sechs Millionen Juden umgebracht, aber sie schlafen gut, sie essen gut, und der Mark geht es gut.“ Als ich dies gehört hatte, schrieb ich ihm einen langen Brief. Und dieser Brief hat ganz erstaunliche Folgen gehabt.
Der Philosoph und sein Gesprächspartner, der Rundfunkjournalist, Romancier und Diplomat François-Régis Bastide, haben sehr freundlich auf meinen Brief geantwortet. Beide haben mich zu sich nach Hause eingeladen. In seinem Antwortbrief schrieb mir Jankélévitch, er warte auf diesen Brief seit dreißig Jahren. Er lade mich zu sich nach Hause ein, ich würde empfangen werden wie der ‚Bote des Frühlings’ (le messager du printemps). Ich habe beide besucht, Bastide sogar mehrere Male. Ich habe bis zu ihrem Tod mit dem Philosophen und dem Journalisten/Romancier/Diplomaten korrespondiert.
Ich habe Jahre später über diese Begegnung und über den Menschen Jankélévitch und sein Werk mehrere Radiosendungen gemacht, zuerst für Radio Bremen, dann auch eine in der Radioessay-Reihe des (damaligen) Süddeutschen Rundfunks. Die Radio Bremen-Sendung, an der auch der Physiker und Philosoph Carl-Friedrich von Weizsäcker mitgewirkt hat, ist auch vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) gesendet worden. Ich habe in einem langen Essay in der Zeitschrift SINN UND FORM (Mai/Juni 1997) den Philosophen, sein Werk und seine (Nicht-)Beziehung zu Deutschland vorgestellt und erläutert. In fünf Nummern dieser Zeitschrift (Mai/Juni 1997, Mai/Juni 1998, Nov./Dez. 1999, Nov./Dez. 2001, Nov./Dez. 2003) wurden dann in erstmaliger deutscher Übersetzung längere Ausschnitte aus Werken des Philosophen veröffentlicht. Vor diesen Veröffentlichungen gab es ein einziges Buch von ihm in deutscher Übersetzung: „Ravel“ in der Rowohlt Bildmonographie-Reihe, das aber schon längst wieder vom Markt genommen wurde. Jetzt gibt es von Jankélévitchs Werk ein Dutzend Titel in erstmaliger deutscher Übersetzung, die meisten bei Suhrkamp und beim kleinen Wiener Verlag Kant+Turia.
Als man in Frankreich des zehnten Todestages des Philosophen gedachte, veröffentlichte das Magazine Littéraire meinen Briefwechsel mit Jankélévitch. Das war in Frankreich ein Ereignis, wie man mir mehrfach versichert hat.

Der Radiosender France Culture widmete diesem Gedenken an einem Sonnabend am Nachmittag und am Abend mehrere Stunden Sendezeit. Und ich wurde gebeten, die Sendezeit zwischen 20.45 und 22.30 Uhr zu bestreiten – auf Französisch. Dies war vom Sender als ganz besondere Versöhnungsgeste gedacht.
Die Philosophin und Romanautorin Catherine Clément macht in ihrem Roman La Putain du Diable (Die Hure des Teufels), in dem es um die französische Philosophie seit dem Zweiten Weltkrieg geht, unseren Briefwechsel und meinen Besuch bei dem Philosophen zum Gegenstand einer Szene. Vorher hatte sie ihn schon im Magazine Littéraire kommentiert und gewürdigt. Catherine Clément ist die Autorin der Romane „Theos Reise“ und „Martin und Hannah“ (über die Beziehung zwischen Martin Heidegger und Hannah Arendt). Inzwischen wird mein Briefwechsel mit Jankélévitch in französischen Schulen zusammen mit Camus’ Lettres à un ami allemand gelesen.
Der Philosoph Jacques Derrida hat in seinem letzten Buch den Briefwechsel ausführlich zitiert und kommentiert. Er hat mich noch kurz vor seinem Tode angerufen und wir haben lange miteinander gesprochen.
Auf die Sendungen und Zeitschriftenveröffentlichungen haben mir zahlreiche Hörer und Leser Briefe geschrieben, Deutsche und Franzosen, Juden und Nichtjuden.
Ich habe weitere interessante Menschen kennen gelernt, zum Beispiel den französischen Musikwissenschaftler und Komponisten Fabien Lévy, der meine Bekanntschaft gesucht hat. Er hat vom französischen Kulturminister den Auftrag bekommen, für die Fünfzig-Jahr-Feier des Deutsch-Französischen Vertrags (Élysée-Vertrag) eine Komposition zu machen. Dafür hat er Texte von Nietzsche und Camus und Ausschnitte meines Briefes an Jankélévitch genommen.
Anfang 2012 wurde ich vom Mémorial de la Shoah in Paris (das ist die zentrale Gedenkstätte für die ermordeten französischen Juden) eingeladen, um über meine Begegnung mit Jankélévitch zu sprechen.
Das war nur eine Auswahl der Reaktionen. Kurzum: Dieser spontan geschriebene Brief eines völlig unbedeutenden 41-jährigen Gymnasiallehrers hat nicht nur mein Leben verändert, sondern auch sonst ganz erstaunliche und weitreichende Folgen gehabt.
Über alles dies habe ich das vorliegende Buch geschrieben. Und noch über einiges mehr: über Begegnungen mit Juden und Franzosen, über den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit, über den Antisemitismus großer Geister, über Antisemitismus und Antizionismus. Und über die Vergebung.
Das Vorwort dieses zweisprachigen Buches stammt von Georges-Arthur Goldschmidt.
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